Die nacheiszeitliche Entwicklung des Salzburger Gewässernetzes


Die nacheiszeitliche Entwicklung des Salzburger Gewässernetzes

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Wann und woher kamen nach der letzten Eiszeit die Fische in Salzburgs Gewässer? Mit der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie in Österreichisches Recht wurde der Schutz der typspezifischen Eigenschaften der Gewässer und ihres natürlichen Tier- und Pflanzenbestandes auch für Österreich verpflichtend. Mit der Aufnahme der Fische in den Katalog der zustandsbestimmenden Qualitätselemente für unsere Gewässer wird die Frage aktuell, welche Gewässer Salzburgs sind Teil des natürlichen Fischlebensraumes des Landes und in welche Gewässer gelangten die Fische nur durch Besatz. In den Gewässern des natürlichen Fischlebensraumes ist der natürliche Fischbestand bestimmendes Qualitätselement, in reinen Besatzgewässern, z.B. in von Natur aus fischleeren Hochgebirgsseen, gelten als Kriterien die Qualitätselemente für fischleere Gewässer. Nachdem das Land Salzburg während der letzten Eiszeit unter einem bis zu 1500 m mächtigen Eispanzer lag, ist die Frage der Wiederbesiedelung der Gewässer des Landes durch Fische nach dem Eiszerfall vor 19.000 Jahren und dem Abschmelzen der Gletscher naturwissenschaftlich und wasserrechtlich von großem Interesse. Die vorliegenden Studien belegen in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Quartärgeologen mit dem Gewässerschutz die wichtigen Stationen des Eisrückzuges vom Flachland in die Hochlagen des Tauernhauptkammes, die Entwicklung der Flüsse und Seen vom Gletscherabfluss zum Badegewässer und die Wiederbesiedelung der Gewässer Salzburgs mit den heute heimischen Fischarten. Es ist bemerkenswert, dass bereits vor 10.000 Jahren in Salzburg wieder alle Fischarten heimisch waren, die mit der zunehmenden Vereisung vor mehr als 25.000 Jahren aus unseren Breiten in wärmere Gewässer im Osten geflüchtet sind. Es war dies auch die Zeit der größten Ausdehnung des natürlichen Fischlebensraumes in Salzburgs Gewässern. Durch die spätere Eintiefung der Salzach entstanden natürlich isolierte Fischlebensräume in zahlreichen Seitenzuflüssen der Salzach, in denen natürliche Fischbestände bis heute überdauern konnten. Die Summe der natürlichen und der natürlich isolierten Fischlebensräume bildet in Salzburg den wasserrechtlich relevanten primären natürlichen Fischlebensraum. Ursprünglich fischleere Gewässer bilden als Besatzgewässer Fischwässer im sekundären Fischlebensraum. Mit dieser Studie wurde ein höchst interessanter Beitrag zur nacheiszeitlichen Entwicklungsgeschichte unseres Landes der Öffentlichkeit vorgestellt, aber auch ein wichtiger Beitrag zur Rechtssicherheit bei der Zustands¬bewertung unserer Gewässer geleistet. Die Ergebnisse haben bereits Eingang in die aktuelle Gewässerzustandsbewertung gefunden. --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Im Würm-Hochglazial, zwischen 24.000 und 22.000 Jahren, war das gesamte Bundesland Salz-burg, mit Ausnahme der Gipfel- und Kammbereiche über 2000 m im Gebirge und 800-1000 m im nördlichen Vorland, von mächtigen Eismassen bedeckt. Im Spätglazial, zwischen 19.000 und 11.600 Jahren, schmolzen die Gletscher wieder ab, sodass diese vor 11.000 Jahren bereits wieder in den Hochtalböden, in etwa dort wo man sie heute findet, zu finden waren. Wann jedoch begann die Wiederbesiedlung der Gletscherschuttwüsten mit Vegetation? Erst bei Vorhandensein von Vegetation können wieder höhere Lebewesen zuwandern, wie z.B. die Fische. Während der Fischmigration war die Temperatur der Flüsse und Seen ein wesentlicher, selektiver Faktor. Die Vorlandbäche und -seen ohne Gletscherwassereintrag konnten früher besiedelt werden, als die eisigen Gebirgsbäche mit Gletscherwassereintrag. Jedoch wie konnten die natürlichen morphologischen Barrieren wie Klammen, Wasserfälle oder Schluchten von den Fischen überwunden werden? Das vorrangige Ziel der Studie war den „primären Fischlebensraum“ in den Gewässern des Bundeslandes Salzburg aus der Sicht des Gewässerschutzes abzugrenzen. Der „primäre Fischlebensraum“ setzt sich nach JÄGER et al. (2004: 12) aus dem aktuellen und isolierten Fischlebensraum zusammen und umfasst jene Gewässer, welche nach der letzten Eiszeit für die Fische von der Salzach, Saalach, Mur, Enns, Traun und Ager besiedelbar waren. Dazu bedurfte es genauer Untersuchungen bezüglich der paläogeographischen Entwicklung in den letzten 24.000 Jahren. Um dafür Antworten zu finden, wurde vom Gewässerschutz des Landes Salzburg die vorliegende Studie in Auftrag gegeben und in gemeinsamer Arbeit fertig gestellt. Diese gibt eine Reihe interessanter Antworten, lässt jedoch auch viele Fragen offen, die in Zukunft noch zu klären sind.

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